Herbst mit Salat und ohne Cord

Ich erinnere mich gerade an einen Sommer, voller Wärme und langen Nächten, die nicht sich manchmal ganz einfach und leicht anfühlten, und manchmal so schwer wie ein überbackene Canelloni in meinem Bauch kugelten, dass ich morgens kaum aus dem Bett kam. Ich erinnere mich an große Salate mit Honig-Senf-Dressing und eingelegtem Mozarella unter einem großen Baum, dazu die Vanity Fair (ich trauere immer noch), ein Spaziergang und die danach eintretende Müdigkeit. Viel alleine sein, alleine radeln, essen, arbeiten, einschlafen. Ich erinnere mich so gut an das Gefühl, nicht ganz richtig zu sein, nicht den Richtigen zu lieben und mich nicht richtig fühlen zu können. Ein Kopf, ein Körper und beides erreicht einander nicht. Ich denke an den Bastelraum, in dem ich viel mit meiner Mama telefoniert habe, an eine schwarze dicke Jeans, die mich noch dicker machte und mich in den Bogen zog wie ein Anker, wie ein Zeichen, dass ich stehen bleiben und die Augen aufmachen sollte. Ich erinnere mich an eine Zeit voller Tränen und Hoffnung, an ein weiteres hartes Stück Erwachsenwerden und an einen wunderbaren Herbst, in dem ich weiße Chucks und eine dünne Jacke aus der Herrenabteilung trug und fror und ganz viel Alexisonfire gehört habe, während der erste Schnee in den traurigen Innehof fiel. Ich trug einen Pony und drückende Unzufriedenheit in dieser Zeit und es stand mir beides nicht. Haar wächst wieder zum Scheitel, alles andere wächst sich nicht von alleine zurecht. Mut haben, Worte finden, sich selbst nicht mehr zum Feind nehmen. Ich war ohne wahrer Sprache für mich, mit viel Verständnis für andere und weniger für mich, wenn ich so zurück denke.

In diesem Herbst trage ich weder Pony noch den Scheiß Mittelscheitel, den mir meine neue und nun schon wieder verflossene Frisörin andrehen wollte (“trag es wild!”). Ich bilde mir nicht mehr ein, sobald die Blätter auf den Bäumen zu zittern beginnen, bei boden und la redoute einen cord-Rock bestellen und dazu dunkelgrüne Strümpfe tragen zu müssen. Ich schlüpfe in maisfarbene Strumpfhosen und Turnschuhe haben erstmal Pause mit zum Frühjahr. Und einen Mantel aus Zufriedenheit, den ich vielleicht ab und an ablege. Aber ich hab ihn mir ausgesucht und hey, steht mir echt gut.

Comments
One Response to “Herbst mit Salat und ohne Cord”
  1. schoen geschrieben… Mantel aus Zufriedenheit… liebe Gruesse

    Maria

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