2010 – Retrospect

Da hat mich die Muse geküsst! Durch eine wunderbare Idee von ein paar großartigen Jungs hab ich mich mal hingesetzt und 2010 musikalisch revue passieren lassen. Wohl gemerkt, hab ich wohl einige HC-Platten verpasst oder zu spät gehört (wie die fantastische Endless Road von Miles Away)

Alben des Jahres

1. Meleeh – To live and die alone
Sie sind DIE MACHT. Sie sind einfach größer als großartig. Hier stimmt einfach alles, vom Introsong, über das Songwriting bis hin zu einem dunklen Grundton, der mich später auch live so verzaubert hat. Und “Trauma” eines meiner absoluten Lieblingssongs 2010.

2. New Young Pony Club – The Optmist
Diese Band ist schwer unterschätzt, hübsch und lustig und macht Ohrwürmer am laufendem Band, ohne in den absoluten Indie-Kommerz abzurutschen. Nicht nur was für Frauen, würde ich sagen. Clevere Songs, eine wunderbare Stimme und wenn das Album mit “Architect Of Love” zu Ende geht kann man nur verliebt sein.

3. Touchè Amore – To the Beat of a dead horse
Die Rezession im OX ist gar nicht so verkehrt: sie haben es in dieser schwammigen HC-Zeit geschafft nochmal was Neues zu machen. Ich finde sie nicht nur erfrischend, sondern punkrockig charismatisch und richtig umwerfend. Von touchè amore ist bei mir nichts zu werfen – es war Liebe auf den ersten Blick und unsere Beziehung hat eine große Zukunft. (Anmerkung: hier scheiden sich die Geister. Wohl schon 09 erschienen rettet mich und meine Liebe dann die LP, die wohl erst 2010 das Licht der Welt erblickte).

4. Midlake – The Courage of others
Wenn ich versuche über Midlake zu schreiben fühle ich mich immer wie ein Amateur, der weder die richtigen Worte findet, noch versteht umzusetzen, was nur das Herz versteht. Auch 2010 bin ich wieder sprachlos und lauche mit offenen Mund und geschlossenen Augen einer fantastischen Midlake-Platte die nahtlos aber nicht unangenehm an ihr erstes Album-Meisterwerk anknüpft.

5. Smoke Blow – The Record
Ich laufe und laufe und… werde noch nächstes Jahr damit laufen. Erst mal “Pause” bei den Nord-Jungs – zurück bleibt ein geiles Album, dass mich sportlich motiviert, an alte SB-Zeiten und Alben denken lässt und wieder frei macht, wenns mal eng ist. Ich sag nur “Evil Leaf” und geb Gas…

6. Foals – Total life forever
Die Zwischensongs hab ich ausgeschaltet, das ist mir bis Ende des Jahres immer noch zu arty farty gewesen. Dennoch: die Latte ist nun sehr steif. Oder hoch. Wunderschöne Foals-Songs, die mir geile Ohrwürmer und schöne Arbeitsstunden beschert haben.

7. Kvelertak – Kvelertak
So erfrischend gut! Ich könnte kotzen vor Glück, so beflügelt haben sie mich in manch einer hängenden (Arbeits-)Minute. Hausfrauentipp: Perfekt fürs Büro.

8. Black Breath - Heavy Breathing
Danke an die Männer dieser Erde, dass ihr genau solche Musik macht! Ein Brett! Eine Wand! Ein Blumenbouquet der Metalflora! Zum vollständigen Glück bitte noch ein Bad im Bierfluss und Schlammcatchen mit anderen Frauen, die ebenso denken. Danke.

9. Cherry Ghost – Beneath this burning shoreline
Wunderbarer Softkram für die weichen Momente im Leben und geheime Beauty-Stunden alleine. Kann man aber auch bei Besuch ungeschämt durchlaufen lassen. Country-Einschlag, Folkstimme und eine angenehme Melancholie werden fast jedem gefallen. Vielleicht auch nur geheim.

10. Comeback Kid – Symptoms & Cures
Das winzige “Wandelalbum” 2010! Zuerst für lau empfunden, dann fing ich an es zu lieben. Mit den zwei Burnern gleich am Anfang des Albums gehts kawumms so weiter. Kleine Hänger verzeih ich Andrew & Co, nachdem ja auch für Hits gesorgt wurde. Gott sei Dank ist das poppige wieder raus, ich sah sie schon in diese Richtung segeln… Alles ist wieder gut und beim nächsten Konzert (uh lala, Engel haben mir geflüstert, dass sie im Feber im Knust spielen) sag ich ihnen das auch mal.

Also very nice:

Bison B.C. – Dark Ages
The National – High Violet
Crystal Castles – II
Health – Disco No. 2
Alkaline Trio – This Addiction

Konzerte des Jahres:

Meleeh, Flora
Ich hab geweint, getanzt und mich gefreut. Ich war ergriffen und gerührt und wusste währendessen am Anfang des letzten Jahres schon: 2010 wird nichts anderes diese Gänsehautentzündung toppen können. Das war WELT. HAMMER. DIE MACHT. Und wie heißts so schön? Mehr geht nicht.

New Young Pony Club, Prinzenbar
Mit “Lost a girl” in der “Deko” hat alles angefangen. Zwei Tage später

Beachhouse, Übel&Gefährlich
Ebenso Anfang des Jahres spielte diese Band im Molotow. Ich dachte, die Sängerin sei ein Mann. Und weiters: bitte ganz schnell nach Hause. So eine Scheiße halte ich nicht länger aus. Und dann kam unverhofft ein Gratiskonzert mit genau dieser Band – und alles war anders. Nämlich unverhofft wunderbar, mädchenhaft schön, mit ebenso einer Träne und Gänsehaut und meinem Mann im Rücken. Alter, sag ich da nur, was will man mehr?

Ian Brown, Knust
Der Meister ist uns erschienen. Mit anfänglichen Stimmschwierigkeiten wurde er gottesgleich fertig und wir alle setzen spätestens beim Finale bombastisch ein, was zu einem Fest führte, wie sich das alle Brown-Jünger vorstellen.

Bison B.C. – Hafenklang
Mit ebengleicher Skeptik erduldete ich den Anfang dieser dunklen Kapelle. Und dann gings los. Es fuhr in meine Glieder, es wurde mir angenehm schwarz vor Augen und irgendwann in der Mitte war ich ein mit der Band – ein Groove, eine Bewegung und gefühlt ein Gedanke.

Black Breath – Hafenklang
Mit einer locker durchgehörten Scheibe im Gepäck bin ich ins Hafenklang. Nachdem ich nach der Vorband nicht mehr an Metal glaubte, wurde ich schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Ich sag nur eines: am nächsten Tag hatte ich Nackenschmerzen. Und ich finde, dass ist ein verdammt gutes Zeichen.

Kvelertak, Hafenklang
Dicke Arme, dicke Bärte und ein paar Tattoos… da werden nicht nur Ladies schwach. Mr. Hjelvik sang, dass sein dicker Bauch wackelte – und die Menge gleich dazu. War das eine prollige geile Punkrockparty!

Albumcover des Jahres

Kvelertak – Kvelertak
Detailverliebtheit und Pastell muss nicht bei Indie-Platten kleben bleiben!

Enttäuschung des Jahres:

Arcade Fire – The Suburbs
Selten ein so unstimmig und schlechtes Album gehört. Mir geht kein Lied ins Ohr, ich vermisse die Gewaltigkeit dieser Band, die Höhlen, in die ich flüchten kann und mein dabei offenes Herz.

Songs des Jahres (aus Alben gepickt)

Unsilent Death – Nails
Ich würde eher sagen: unsilent night! Da lacht mein Metalherz. Und meine Haare fliegen! Ganz großartiges Stück.

Dance the way I feel – Ou est le Swimming Pool
R.I.P. – Du hast einen wunderbaren Tanz-NonSTOP-Song hinterlassen.

Hyptnotize you – N.E.R.D.
Bowie hin oder her: Pharell ist ein schräger Vogel mit klarer Message an seine wohl geile Braut. Und das bringt er noch ziemlich sexy rüber. Wenn sie da nicht ja sagt weiß ich auch nicht.

Forever means forever – Boysclub
Noch einmal meine Jugend. Und das in Höchstform! Danke Jungs!

Bright Lt Blue Skies – Ariel Pink
Wenn ich 2010 schon nicht dazu gekommen bin, meine nicht vorhandenen Surfkenntnisse aufzufrischen, so hab ich mich aber mit diesem Soundtrack trotzdem seelisch schon mal drauf vorbereitet. Surfshorts an! Oder aus! Weiß nicht. Geil isses trotzdem.

Paradise Circus (Gui Boratto Remix) – Massive Attack
Was auf ersten Blick nach einem schäbige Techno-Remisxaussieht, ist auf 2. Blick und in Wahrheit das “Ich habe in Gedanken großartigen Zeitlupen-Sex mit Dir” Lied.

Not in love – Crystal Castles fest. Robert Smith
Heiß, kalt!, heiß, kalt! Schaurig trauriger Text, typischer CS-SchrägSchön-Beat und seine Stimme dazu! Wow, das muss man erstmal machen. Ein Meisterwerk, bei dem ich mir immerzu wünsche, er würde “I am in love” singen.

Photography by Eudes de Santana.

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